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Karl-Heinz Koob Karl-Heinz Koob
 

Rückblicke und Einblicke

 

 

Im Sommer 1978

hielt ich intensiv Ausschau nach einem funktionellen Jagdmesser. Durch einschlägige Kataloge der großen Jagdausrüster und Zeitschriften kristallisierte sich allmählich eine Vorstellung von optimaler Beschaffenheit heraus.

In dieser Zeit besuchte ich einen guten Bekannten, dem ich beiläufig von meiner Suche erzählte. Im Nu stellte er ein abgedecktes Tablett auf den Tisch und schlug das Samttuch zurück. Nun lagen drei schöne Messer vor mir, die er gemacht hatte und die genau so aussahen, wie die drei, die Monate zuvor auf der Titelseite des Deutschen Waffenjournals zu finden waren. Ich hatte unter anderem auch diese Fotos und den hochinteressanten Artikel dazu im Heft mit Begeisterung gesehen und gelesen, mich aber gleich selbst gemahnt, diesem Thema nicht weiter nachzuhängen. Irgendwie ahnte ich, dass es mich sonst sehr gefangen nehmen würde.

Nachdem mein erstes großes Erstaunen abgeklungen war, wandelte Freund Peter meinen spontanen Wunsch, auch mir ein Messer zu machen, in die Idee um, es selbst zu tun!

Von Jugend an hatte ich bereits gut und gern mit Metall, Holz und Leder gewerkelt. Aus einem rostigen Blechstück entstand mit ca. 12 Jahren [damals lief Winnetou I in den Kinos!] sehr mühsam eine tomahawkähnliche Form, die ich in einen kurzen geschlitzen Haselnussstock einsetzte und mit Lederbändern fixierte. Auch ein aus einem Bohlenstück geschnitzter Gewehrschaft, der recht ordentlich an das uralte Perkussionssystem passte, ermutigte mich zu eigener Arbeit.

Mein damaliger Favorit - eine von Schrade gefertigte moderne Messerform aus 154 CM-Stahl mit roten Griffschalen nach einem Design von Bob Loveless - geriet aus dem Fokus.

Stattdessen kaufte ich mir ein Stück 154 CM-Stahl, Messing, einige Blöcke Coco bolo- und Grenadill-Holz sowie weitere Dinge wie Feilen, Epoxidharz, Schleifpapiere, Leder und einen kleinen Winkelschleifer.

Wie sollte das erste Messer nun aussehen?  Die Stücke von Peter waren sehr schön, stellten aber für mich kein robustes Jagdmesser mit stabiler Klinge dar. Lediglich die Runderlkonstruktion gefiel mir, weil ich dabei den Griff ohne große Vorplanung auf gute Handlage bringen konnte.

Ähnlich wie beim Tomahawk Jahre zuvor sägte ich mit einer Handsäge die Klingenform aus dem Flachstahlstück und schruppte dann zunächst mit dem Winkelschleifer freihändig die grobe Form zu. Mit Feilen und Schleifpapier bekam die Klinge Fasson. Messingstücke für Handschutz und Knauf ließen sich mit neuen Feilen sehr angenehm formen. Die inzwischen gehärtete Klinge vergoss und verschraubte ich mit den Griffteilen. Nach dem Feinbearbeiten stellte ich mich der großen Herausforderung, auch eine brauchbare Köcherscheide anzufertigen.

Die ersten KHK-Messer Zu meinem Erstlingswerk [Bildmitte rechts] nahm ich gleich noch einige weitere Stücke in Angriff - es ging auf Weihnachten 1978 zu! Darunter waren auch klassische Klappmesser mit Rückenfeder und Messingplatinen.

Ich hatte sehr viel Freude an diesen ersten Stücken und gestalte seitdem mit zunehmender Begeisterung und Kreativität Messer - primär aus Liebhaberei.

Freund Peter, der 2012 verstorben ist, behalte ich nicht nur für seine Initialzündung in dankbarer Erinnerung.

  

 

Im Oktober 2015

schilderte ich Freund Uwe in Bayern, der einige interessante Stücke von mir sein Eigen nennt, diese Historie. Schon als ich erwähnte, dass ich um ein Haar gar nicht mit dem Messermachen angefangen hätte, sondern mit diesem besonderen Fabrikmesser liebäugelte und es kaufen wollte, grinste er. Am Ende meiner Ausführungen erbat er 1 € von mir und ging aus dem Zimmer. Minuten später kam er zurück und drückte mir mit den Worten "das gehört jetzt Dir" genau das besagte Schrade/Loveless-Modell mit roten Kunststoffgriffschalen und Originalverpackung in die Hand.

Schrade-Loveless Wie mir hatte auch ihm dieses Messer vor Jahrzehnten gut gefallen. Er hat es gekauft und über viele Jahre intensiv als Jagdmesser benutzt.

Seine Erkenntnis und Aussage mit lachendem Gesicht: "Wenn Du Dir damals dieses Messer gekauft hättest, wären wir uns nie begegnet und ich hätte nicht diese schönen Messer von Dir."

Das ist wohl war!

 

*

  

Sehr viel hat sich seit 1978 verändert.

Ich verweilte nicht lange bei Runderl-Konstruktionen. Aufwändige Replikate und zerlegbare Klappmesser wurden für einige Jahre mein Metier.

Parallel dazu gewann ich Anfang der 1980er Jahre die Überzeugung, dass Integralmesser-Konstruktionen das Nonplusultra bei handgemachten Messern darstellen.
 

Ahnenreihe 1978-1984

Ferrantroph von 1984
So entstand 1984 mit dem Ferrantroph auf der bewährten Basis vorhergehender Runderlmodelle mein allererstes Integralmesser [rechts in der Gruppe und Solofoto].

Nach 1984 sind mir nur einzelne Messer verblieben, die meist auf der Seite Reminiszenzen einen Platz gefunden haben.



Dieser Prototyp aus nicht rostfreiem pulvermetallurgischem Uddeholm ASP 23 diente mir über viele Jahre als Jagdgebrauchsmesser. Man sieht auf dem Foto, wie aggressiv Wildschweiß besonders bei nicht korrossionsbeständigen Stählen zu Flecken und leichter Lochfraßkorrossion führen kann, wenn er nach Einsatz des Messers nicht bald und gründlich abgespült wird.
   
Mit dem großen Aquila [> Seite Quintessenz > Q7] und den "Integralfalken" [> Seite Reminiszenzen] startete ich Mitte der 1980er Jahre neue Integral-Modellreihen, die zu meiner heutigen Eigendesign-Vielfalt auf Basis der drei Integralkonstruktionen Bügel-Rahmen-Integral, Doppel-Rahmen-Integral und Voll-Integral führten.
  
Harpagornis-Viator Latent wünschte ich mir schon am Anfang ein solches Lieblingsmesser:
  • Begeisternd - innovativ - funktionell - extravagant - stabil - gediegen ...

  • 2014 hielt ich das erste Harpagornis-Viator in meinen Händen.

  • Heute bildet es den ausgereiften Mittelpunkt meiner Modellreihe von
    Kaliber 148 [Taitafalk] bis Kaliber 300 [Harpagornis-Grosvenor].

    

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich keinerlei handwerkliche Berufsausbildung absolviert habe. Gleichwohl steht für mich fest, dass ich nur als Autodidakt bereit gewesen bin, die Messlatte so extrem hoch zu legen!

 

In meiner kleinen und kompakten Werkstatt

verfüge ich über alle Einrichtungen, Werkzeuge und Maschinen für die Gestaltung von Integralmessern.

Manches habe ich mir selbst gebaut oder an meine speziellen Bedürfnisse angepasst.

 

 

Erster Blick

 

Drehpunkt am Hauptarbeitsplatz Werkbank

 

Metallbandsäge zum Vorprofilieren und Präzisionsbohrmaschine für Stahl, Griffmaterial und Leder!

 

Das horizontale Schleifen bietet in vielen Fällen optimale Sichtkontrolle

 

Eine vielseitige Bandschleifmaschine sowohl für ganz kleine Radien als auch zum Nachprofilieren, zum Vorarbeiten bestimmter Griffbereiche und der Lederkanten.

Weil es bei mir definitiv keinen Hohlschliff gibt, ohne das übliche große Kontaktrad!

Den Flachschliff meiner Klingen nehme ich stattdessen ausschließlich am horizontal stehenden Schleifteiler vor. Zum Vorarbeiten der Übergänge zwischen Stahl und Griffmaterial ist der vertikal aufgestellte Schleifteller unübertrefflich präzise.

 

 

 

Der sehr langsame vertikale Schleifteller dient nur zur Anlage der Schneidkante.

 

 

Die Feilen auf meiner Werkbank sind absolut keine Statisten!

 
 
Das eine oder andere könnte sicherlich professioneller aussehen, aber so wie das Notenpapier, die Art des Untergrundes oder der Typ des Schreibgerätes nicht für eine gute Musikkomposition, ein Gemälde oder einen Buchbestseller entscheidend sind, erfordern exzellente Messer primär geschickte Hände zum Umsetzen kreativer Ideen!

 

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